Green & Smart Recruiting mit zeitversetzten Video-Interviews im Auswahlprozess?

                   

Die eigentliche Kernfrage des Recruitments,„Wie können wir möglichst effizient und effektiv die richtigen Menschen für offene Positionen finden?“ rückt vor dem Hintergrund enger werdender Märkte nicht nur im Fach- und Führungskräftebereich und der demografischen Entwicklung immer stärker in den Fokus der Unternehmen (s.a. ICR Recruiting Report 2011) Gleichzeitig steigt der Druck auf die Kosten und die Bedeutung der Nachhaltigkeit im unternehmerischen Handeln. 

Ein Weg, diese Ziele in Einklang zu bringen, kann die Nutzung von zeitversetzten Videos im Auswahlprozess sein. Die Anbieter versprechen eine Ressourcen-Schonung durch den Wegfall von Reisekosten, eine verbesserte Qualität der Auswahl durch eine standardisierte Personaldiagnostik, Zeitersparnis durch eine verbesserte Organisation und Durchführung der Video-Interviews und einen schnelleren Auswahlprozess. Ein Online-Vergleich der Bewerberantworten auf dieselben Fragen ermöglicht den Auswählenden eine bessere Kalibrierung der Antworten. Auch eine Einbindung in bestehende Bewerbermanagementsysteme soll möglich sein. Erste Untersuchungen aus den USA zeigen, daß die Zufriedenheit der Fachvorgesetzten mit dem Einstellungsprozess sich verdoppelt, wenn sie Videos im Auswahlprozess nutzen können.

Es klingt ganz nach dem heiligen Gral des Green & Smart Recruitings. Noch steckt die Nutzung dieser Innovation in Deutschland allerdings noch in den Kinderschuhen, doch es gibt auch schon erste Erfahrungsberichte von Unternehmen und Bewerbern (dazu später mehr).

Was verbirgt sich hinter zeitversetzten (asynchronen) Video-Interviews im Auswahlprozess?

Diese Innovation bezieht sich auf die Nutzung von web-basierten Videos die zeitversetzt durchgeführt werden. In den Videos beantworten Bewerber bestimmte von Recruitern vorgegebene Interviewfragen. Die Videos werden aufgenommen und können unternehmensintern von verschiedenen Personen (Recruiter, HR Business Partner/Personalreferent, Fachvorgesetzter, Abteilungsleiter etc) angesehen und ggf. bewertet werden. 

Im Unterschied zu den schon länger praktizierten Live Video-Interviews können bei dieser Lösung Bewerber die Zeit der Beantwortung in einem gewissen Rahmen selber wählen und benötigen nur ihre Webcam als technische Voraussetzung.

Verbesserung bei Qualität und Effizienz

Internationale Studien konnten nachweisen, daß die Nutzung von Videos im Einstellungsprozeß den Prozess selber effizienter und günstiger macht. Es ist auch leicht nachvollziehbar, daß, wenn alle Beteiligten am Einstellungsprozedere die Zeit selbst bestimmen können, zu der sie Ihre Beurteilung der Bewerber abgeben und die Bewertung für alle leicht einsehbar sind, Abstimmungsprozesse entfallen und die benötigte bis Zeit zur Entscheidung sinkt. Dadurch, daß die Beurteiler die Kandidaten sehr früh im Prozeß schon „sehen“ können, erhöht die nebenbei auch den „Cultural Fit“. Durch die Verringerung der Reisekosten nicht nur bei internationalen Bewerbern wird auch die Umwelt geschont.

Erste Ergebnisse aus der Praxis

Mit zeitversetzten, strukturierten Video-Interviews ein kompetenzbasiertes Bild der Bewerber für ein Traineeprogramm zu erhalten? Was für manche noch Zukunftsmusik ist, wird bei Haniel in Duisburg bereits in die Tat umgesetzt.
Haniel erhält für seinTraineeprogramm jährlich ca. 400 Bewerbungen. Aus diesen Bewerbungen werden die Geeignetsten für ein Assessment Center ausgewählt. Nach einem ersten Screening der Bewerbungsunterlagen, bleiben jährlich 30 bis 40 interessante Kandidaten. In der Vergangenheit wurden mit diesen Kandidaten persönliche Vorauswahlgespräche für die 12 Assessment Center Plätze geführt. Aufgrund des hohen Zeit- und Koordinationsaufwandes entschied man sich bei Haniel zunächst dazu, die persönlichen Interviews durch Telefoninterviews zu ersetzen.
Die nachträgliche Evaluierung der Traineeauswahl zeigte jedoch, dass der zeitliche Aufwand noch immer inakzeptabel war. „Wir haben für die Telefonate mit ca. 20 Bewerbern sicher 2 bis 3 Wochen gebraucht. Der Zeitaufwand war einfach unglaublich hoch“, so Alena Heßhaus, die die Traineeauswahl bei Haniel verantwortet. Zudem stellte sich heraus, dass Entscheidungen, die aufgrund der Telefoninterviews getroffen wurden, keine zufriedenstellende Erfolgsquote im AC sicherstellten. „Wir haben immer gute Trainees ausgewählt. Bei manchen Bewerbern die wir im Telefoninterview positiv wahrgenommen haben, war allerdings beim ersten Treffen im AC sehr schnell klar, dass das nicht passen würde.“ Alena Heßhaus beschreibt, was sie für diesen Umstand verantwortlich macht: „Uns haben einfach die persönlichen Eindrücke von den Bewerbern gefehlt. Wir haben sehr kundenorientierte Geschäftsbereiche. Somit ist das Auftreten eines Bewerbers ein wichtiger Faktor seiner Eignung für uns.” Diese erfolgskritischen Beobachtungen konnten einfach
Auf Basis der Telefoninterviews nicht gemacht werden. Im Frühjahr 2011 wurde Haniel auf die Möglichkeiten des Videointerviewing aufmerksam und entschied sich für den Einsatz zeitversetzter Videointerviews mit einer Lösung von Viasto, einem deutschen Start-Up für die Kandidatenvorauswahl seines Traineeprogramms.


Der Nutzen für die Personalabteilung

Der konkrete Nutzen der Videointerviews lag für Haniel zunächst darin, dass die zeitaufwendige Terminkoordination entfiel. „Das war schon ein richtiger Luxus“, so Alena Heßhaus. „Ich konnte die Interviews ansehen und bewerten, wenn ich die Ruhe dazu hatte. Ich war viel flexibler und konnte in meinem eigenen Rhythmus arbeiten.“ Zusätzlich nutzte Alena Heßhaus die Möglichkeit, sich die Videosequenzen der Bewerber bei Bedarf mehrfach anzusehen. „Ich habe einfach gestoppt, meine Kommentare aufgeschrieben und habe mir die Videosequenz dann noch mal angesehen.“ Dieses sorgfältige Vorgehen bei Beobachtung und Bewertung stellt eine objektivere und zuverlässigere Entscheidung sicher.


Wie kommt es in der Fachabteilung an?

Ein weiterer Vorteil lag für Haniel darin, die Fachabteilungen in die Vorauswahl einzubeziehen. „Unsere Fachabteilungen sind zeitlich immer extrem eingebunden. Aber die Zeit, sich eine 2-minütige Interviewsequenz mit fachlichem Inhalt pro Bewerber anzusehen, hat jeder,“ so Alena Heßhaus. Zumal die Fachvorgesetzten selbst entscheiden konnten, wann sie die Sequenzen bewerten möchten. „Die zeitversetzten Videointerviews waren eine gute Möglichkeit für uns, mit allen interessanten Bewerbern ein erstes persönliches Kennenlernen zu realisieren“, fasst Alena Heßhaus zusammen. „Das wäre zeitlich ansonsten schlichtweg nicht möglich gewesen.“


Und was sagen die Bewerber?

Da die Vorauswahl mit strukturierten, zeitversetzten Videointerviews in Deutschland noch nicht sehr verbreitet ist, war es Haniel sehr wichtig, die Bewerber im Anschluss des Videointerviews nach ihren Eindrücken zu befragen. So war der Einsatz von Videointerviews für viele Bewerber zunächst eine Überraschung. „Klar gibt es bei manchen Bewerbern erst mal eine gewisse Skepsis. Wer schautsich das an? Welche Fragen werden mir gestellt? Da ist es einfach wichtig, die Bewerber gut abzuholen und sie im Vorfeld zu informieren“, erklärt Alena Heßhaus. „Im Laufe des Interviews haben sich die Bewerber aber sichtlich entspannt. Sie haben einfach gemerkt, dass sie nichts Böses erwartet.“ Dies schlug sich auch in der Statistik nieder: Insgesamt führten knapp 90 Prozent der eingeladenen Bewerber das Videointerview durch. Und was manche nicht erwartet hatten: „Am Ende fanden die Bewerber das Videointerview toll und spannend.”


Der Heilige Gral des Green & Smart Recruitings?

Unbestreitbar lassen sich mit diesem Verfahren Geld für Reisekosten sparen und auch die Effizienz der Auswahlprozesse verbessern. Ein Bewerber den man als Recruiter nicht nur am Telefon gesprochen, sondern auch im Video gesehen hat, kann man besser beurteilen. Die Umwelt wird also geschont und der Einstellungsprozess verbessert. 

Aber einige offene Fragen bleiben für die Zukunft. Bei dem Praxisbeispiel bei Haniel haben 90% der Bewerber das Videointerview mitgemacht. Auch wenn dies eine sehr ermutigende Zahl ist, bleibt die Frage nach der Qualität der verbleibenden 10%. Sind dies vielleicht der Besseren der Bewerber, die da nicht mitgemacht haben und dann verloren gingen? Neben der Teilnahme der Bewerber, gilt es auch die Fachvorgesetzten (Hiring Manager) zum Mitmachen zu bewegen. Wenn alle so aufgeschlossen sind wie bei Haniel, gut, falls aber nicht, was dann? Als nächstes stellt sich die Frage nach der affinen Zielgruppe. Haniel hat Trainees mittels zeitversetzten Videointerviews ausgewählt, die im Zweifel auch selber schon einmal über Skype mit Freunden telefoniert haben, mit dem Verfahren des Videotelefonieren also vertraut sind. Wie wird die Teilnahmequote bei einer anderen Zielgruppe, z.B. den „älteren Semestern“ unter den Fach- und Führungskräften aussehen?

Die Strukturierung durch die Vorgabe der Fragen hilft bei der Kalibrierung der Antworten, kann aber keinen persönliche Vorstellungsgespräche ersetzen, in denen auch sofortige Nach- und Rückfragen möglich sind. Zeitversetzte Videointerviews sind ein Instrument der Personaldiagnostik, das sich zwischen dem Bewerbungsschreiben, dem Telefoninterview und dem persönlichen Gespräch bewegt. Die Person, die sich hinter einer Bewerbung verbirgt, wird sichtbar, der Grad ihrer Eignung wird buchstäblich augenscheinlich und somit messbar. Auf diese Weise kann die Personalauswahl effektiver und effizienter ausgestaltet und die Angaben der Bewerber können besser kalibriert werden.
Der heilige Gral ist damit zwar noch nicht gefunden, aber die Umwelt wird geschont, Zeit und Kosten können gespart werden und der Auswahlprozess wird vergleichbarer, besser und fairer.


Wer bietet solche Lösungen an?

International: www.hirevue.com
Deutschland: www.viasto.com, www.ventrevista.com


Wie sieht das zeitversetzte Video-Interview in der Praxis aus?

Weitere Informationen zur Funktionsweise der Hirevue Lösung finden Sie unter:                                                                                     http://new.hirevue.com/what-is-hirevue/

Weitere Informationen zur Funktionsweise der Viasto Lösung finden Sie unter:
http://www.viasto.com/wie-es-funktioniert/wie-es-funktioniert/

Weitere Informationen zur Funktionsweise der VentreVista Lösung finden Sie unter:
http://www.ventrevista.com/de/comofunciona.php