Revolution im Recruiting: thesocialcv.com - werden Recruiter überflüssig?
Warum ist thesocialcv.com so interessant?
Die Revolution im proaktiven Recruiting? Nicht das es in Deutschland schon viele Revolutionäre gäbe... Für fast 80 % der Unternehmen ist dies der völlig normale
(reaktive) Weg, um an Bewerber für Ihre offenen Stellen zu kommen:
Anzeigen in Print- oder Onlinemedien schalten, auf eingehende Bewerber
warten und dann aus den eingehenden Bewerbungen die Passenden auswählen.
Dies sind Teilergebnisse des Social Media Recruiting Reports 2011,
durchgeführt im Jahr 2011 unter über 8000 Personalern durch das
ICR, Institute for Competitive Recruiting, Heidelberg. Der Report ist kostenfrei hier erhältlich. D.h. die wenigen, die Recruiting schon proaktiv betreiben, müssen sich mit einer Vielzahl von Sozialen Netzwerken, Foren, Blogs, Gruppen, Googlesuche etc. "herumschlagen", um die passenden Kandidaten zu finden und ansprechen zu können. Aber jetzt gibt es thesocialcv.com, der Hilfe verspricht und die Jagd nach den "Richtigen" deutlich vereinfachen und das Recruiting nachhaltig revolutionieren soll.
Was ist thesocialcv.com konkret?
Ein internet-basiertes Search-Tool, daß Nutzern ermöglicht, Personen zu finden und einen sog. Social CV zu erstellen. Der Social CV erstellt mit Hilfe eines semantischen Algorithmus in Echtzeit aus den öffentlich verfügbaren Angaben des Nutzers aus Sozialen Netzwerken, Blogs oder Twittereinträgen u.ä. ein Profil zusammen, daß für Recruitingzwecke genutzt werden kann. Das Angebot besteht seit ca. einem halben Jahr, hat bereits 100 Mio Profile indiziert und ist auch in der Präsentation Social Media Recruiting: Gestern-Heute-Morgen als Zukunftsvision enthalten. Erdacht wurde es von Bill Fisher, einem der Köpfe hinter Twitter.
Die Anbieter selber formulieren es so:
"The social profile is becoming an important data-source for identifying passive candidates, vetting current candidates, and building talent pools. For the first time, powerful semantic filters and constant monitoring of status updates from more than 30 leading social media sites, make it possible to manage and track the world's largest global talent pool ... in real-time."
Da auch die Kontaktdaten enthalten sind, können Recruiter, Sourcer oder einstellende Manager (!) direkt mit dem potentiellen Bewerber Kontakt aufnehmen.
Wie funktioniert TheSocialCV.com?
Suchmaske
Thesocialcv.com hat ein relativ einfache Suchmaske, die auch m.E. noch ausbaufähig ist. Aber für den Anfang reicht es vollkommen.
Zu Demonstrationszwecken, und zum Testen, ob das Ganze auch auf deutsch funktioniert, suche ich mal nach einem Recruiter in Deutschland und habe daher "recruit*" eingegeben und Deutschland als Land ausgewählt.
Ergebnis
Als Ergebnis erhalte ich die wenig beeindruckende Listevon dann doch 207 Menschen. Bei LinkedIn oder Xing kommt man bei ähnlichen Suchen leicht auf das 6-30fache. D.h. von den über 100 Mio. indizierten Social Media Profilensind aus Deutschland noch nicht so viele dabei. Aber zurück zur Funktionalität.
Die Ergebnisse lassen sich dann auch noch filtern nach Unternehmen, Stellenbezeichnungen und Aktivitäten.
Das Suchergebnis an sich ist im Detail allerdings sehr interessant. Zeigt es doch nicht nur eine Kurzbiografie, Hobbies und Aktivitäten sondern auch die letzten Tweets, den Klout Score (ein Gradmesser für Relevanz und Einfluß in den Socialen Medien, 45 ist schon sehr gut) und grafische Links zu allen möglichen Social Media Profilen und Webpräsenzen von der Homepage über Xing bis LinkedIn, über die man sich bei Bedarf weiter über die Kandidaten informieren kann.
Über die Funktionsbuttons oben rechts kann man auch direkt Kontakt aufnehmen:
Bei Markus Fischer wäre dies jetzt eine Direktmessage an seinen Twitteraccount. Im englischsprachigem Promotionvideo ist im dortigen Beispiel sogar die Telefonnummer und Adresse enthalten. Eine automatische Extraktion von unternehmensbezogenen Emailadressen ist angeblich in Vorbereitung.
Das wars auch schon. So einfach kann das Finden und Kontaktieren von potentiellen Kandidaten sein.Die gefundenen Profile können auch noch gespeichert und in verschiedene Ordner abgelegt werden bzw. in Zukunft auch an ein Bewerbermanagementsystem weitergegeben werden.
Werden Recruiter jetzt überflüssig?
Nur mal so als Gedankenexperiment: Kann ein etwas aufgeschlossener und kommunikativer Manager, der jemand Neues für sein Team sucht und etwas Zeit für die Suche übrig hat, bei dem geringen Komplexitätsgrad das in Zukunft nicht selber?
Was kostet TheSocialCV.com?
Die Revolution im proaktiven Recruiting kostet nicht die Welt ist allerdings auch nicht billig, hier die Preise von der Website www.thesocialcv.com:1 - 3 Nutzer £475 / $745 / €545 pro Monat
4 - 6 Nutzer £850 / $1345 / €977 pro Monat
7 - 9 Nutzer £1050 / $1645 / €1207 pro Monat
(Nur zur Sicherheit: es gibt keinerlei kommerzielle Verflechtungen zwischen dem ICR und diesem Anbieter)
Zahlen zur Abdeckung in Deutschland durch thesocialcv.com
Unternehmen Anzahl Profile in Deutschland Profile weltweit
Siemens 317 22.939
SAP 181 8.784
Telekom 273 2.791
BMW 116 4.533
VW 124 2.603
BASF 98 1.818
BAYER 75 2.301
Recruiting 99
Marketing 3199
SAP 299
Buchhaltung 23
Java 636
Vertrieb 330
Jobtitel
Recruiter 207
Softwareentwickler 334
Elektrotechniker 41
Key Account Manager 187
Buchhalter 53
Arzt 157
Krankenschwester 196
Städte
Hamburg 24.926
Köln 14.566
Berlin 45.980
Frankfurt 29.227
Düsseldorf 32.612
Stuttgart 14.510
München 4.986
Dresden 3.589
Heidelberg 12.719
Fazit
Thesocialcv.com ist auf jeden Fall ein mächtiges Werkzeug in Händen von Recruitern und vielleicht auch von einstellenden Managern. Man wundert sich, was technisch alles möglich ist und wie gläsern man als Person mit seinen Daten im Internet sein kann. Datenschutzrechtlich stehen einem die Haare zu Berge, auch wenn es alles aus öffentlich zugänglichen Daten zusammengestellt wird.
Für eine Nutzung in Deutschland sind noch zu wenige Profile indiziert, so daß für das proaktive Recruiting immer noch Xing, LinkedIn und Google relevant bleiben. (Falls auch Sie proaktiver rekrutieren wollen, können sie hier erfahren, wie es geht)
Ob Recruiter überflüssig werden, steht auf einem anderen Blatt. Falls Recruiter sich in Richtung Recruiter 2.0 weiterentwickeln, werden einstellende Manager gar nicht auf die Idee kommen, das Recruiting selber in die Hand zu nehmen. Falls nicht...